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KLASSISCHE REITKUNST

Den Begriff „Klassische Reitkunst“ kennt beinahe jeder Reiter. Doch ist er mittlerweile so überstrapaziert und nur wenige wissen was er wirklich bedeutet. Viele entwickeln ihre eigenen Methoden und behaupten klassisch zu reiten, ohne wirklich darüber Bescheid zu wissen. Vieles wird heute unter dem Deckmantel „Klassische Reitkunst“ oder „Klassische Dressur“ verpackt.

Möchte man den Begriff ernsthaft definieren, muss man zwei wesentliche Aspekte mit berücksichtigen. Zum einen die Geschichte und ihre Meister, und zum anderen eine gewisse Tradition. Ohne diese zu kennen und zu respektieren fehlt die Grundlage.

Grundsätzlich beschäftigt sich die „Klassische Reitkunst“ mit der Natur des Pferdes. Das Reitpferd wird nach den physikalischen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten schonend ausgebildet. Hauptaugenmerk wird darauf gelegt, die körperliche und geistige Gesundheit des Reitpferdes bis ins hohe Alter zu gewährleisten. Jedes Pferd wird individuell nach seinen natürlichen Talenten und Grenzen gefördert. Sie ist weder an eine bestimmte Pferderasse gebunden, noch an eine bestimmte Epoche und auch nicht an eine bestimmte Kleiderordnung.


In der klassischen Reitkunst werden die natürlichen Gangarten des Pferdes bis zu ihrem vollen Potential entwickelt, das Pferd wird gesund erhalten, seine Muskulatur wird gekräftigt und geschmeidig gemacht und auch seine Persönlichkeit kommt zur vollen Entfaltung. Die klassische Reitkunst fördert die natürlichen Anlagen des Pferdes so, dass es sein volles athletisches Potential entwickeln kann.

Sämtliche Lektionen, die in der Klassischen Reitkunst gelehrt werden, zeigt das Pferd auch in freier Wildbahn, wie z.B. Piaffe, Passage, fliegende Galoppwechsel oder Schulen über der Erde. Die restlichen Lektionen dienen dem Reitpferd dazu,  seine Muskulatur zu gymnastizieren, aufzubauen und den gesamten Bewegungsablauf geschmeidig zu halten. Zu diesen Lektionen zählen vor allem die Seitengänge.

Lektionen, die sich ohne gymnastische Wirkung auf Gang und Haltung auswirken sind somit nur Kunststückchen, was früher als „Pudeldressur“ bezeichnet wurde und kann man auf heutigen Turnierplätzen oft genug sehen. Hier werden Pferde oft nur abgerichtet und nicht ausgebildet. Das Pferd lernt „Tricks“ und steht nicht wirklich an den Hilfen.

In der heutigen Zeit wird unter dem Begriff Dressur und Dressurreiten hauptsächlich das Bahn und Schulreiten verstanden. Es stehen leider of Sport, Erfolg und Wettkampf im Vordergrund.
 
Die Meister im 18. und 19. Jahrhundert sprachen gerade bei der klassischen Dressurreiterei oft von „Reitwissenschaft“, da sie bestimmten wissenschaftlich fundierten Regeln und Prinzipien folgt. Der Reiter muss, wie ein Arzt, „diagnostizieren“ können, um zu erkennen welche Übungen bereits gut sind und wo noch verbessert werden muss. Auf diese „Diagnose“ hin muss er eine „Behandlungsmethode“ für das Problem finden und schließlich muss er feststellen können, ob die „Behandlung“ eine Verbesserung brachte.

Dieser Vergleich mit der Wissenschaft ist auch der Grund, warum man oft von „Akademischer Reitkunst“ spricht. Ein Begriff, der insbesondere von Bent Branderup gepflegt wird.



„Die Dressur ist ein Systematischer Ausbildungs- und Erziehungsprozess,
der dem Pferd hilft,
das Reitergewicht mit der größtmöglichen Leichtigkeit zu tragen,
sodass er sich unter dem Reiter mit derselben Bewegungsfreiheit und Brillanz
wie in Freiheit zeigt“


(Ritter Thomas).


Ein kleiner Ausflug in die Geschichte
 
Die klassische Reitkunst hat ihren Ursprung in der klassisch höfischen Reitkunst, die sich aus der militärischen Tradition des Rittertums entwickelte. Die erste Reitlehre wurde offenbar von Cimon v. Athen im 6. Jh. Vor Chr. geschrieben, denn diese Reitlehre wurde von Xenophon (ca. 426 v. Chr. – 355 v. Chr.), einem athenischen Heerführer, Gutsherr, Schriftsteller, Philosoph und Schüler Sokrates, in seinem Werk „Über die Reitkunst (Peri hippikes)“ erwähnt.

Dieses Werk wurde ca. 350 v. Chr. verfasst und gilt als das Grundwerk der westlichen Reitkultur. Sie ist die erste vollständig überlieferte Reitlehre und spricht bereits grundlegende Prinzipien des Umgangs mit dem Pferd an.

Xenophon hatte umfangreiches Wissen über Bewegung und Trainingsaufbau und aufgrund seines philosophischen Hintergrundes als Schüler Sokrates war ihm besonders die Einheit Pferd-Mensch-Körper-Seele wichtig.
Diese Reitlehre Xenophons diente dazu, Pferde für den Krieg und zu Paradezwecken auszubilden. Gerade im Krieg war es wichtig, ein gesundes, gehorsames und perfekt ausgebildetes Pferd zu haben. War dies nicht der Fall, konnte es schnell tödlich enden. Im Mittelalter, gegen 1000-1300 kam es dann zum Niedergang der klassischen Reitkunst. Durch die geänderte Kampftechnik und dem Gebrauch von schweren Pferderassen verlangte es zu dieser Zeit ein geradeaus gehendes Pferd, das nicht schreckhaft war und durch sein enormes Gewicht den Gegner aus dem Sattel zu heben fähig war. Die dressurmäßige Gymnastizierung des Pferdes war nicht von Nöten.

Erst in der Renaissance wurde erneut ein Grundlagenwerk über die Reitkunst geschrieben. Der Begründer der neapolitanischen Reitakademie (1532) Frederigo Grisone (1507-1570) verfasste 2000 Jahre nach Xenophon dieses Werk mit dem Titel „Ordini di cavalcare. Es umfasste im Großen und Ganzen die Ideen von Xenophon und ergänzte wesentliche Punkte.

Er war es auch, der als erstes Fachausdrücke wie Volte und Kapriole einführte. Auch ging er genauer auf die Hilfengebung und die Zäumung ein. Die Reitlehre von Grisone hatte ebenfalls den Zweck, Pferde für den Krieg auszubilden und er setzte die Lektionen der Hohen Schule zur Verteidigung ein. Eines seiner Ziele waren die Kräftigung der Hinterhand um eine vermehrte Hankenbeugung zu erreichen und eine damit verbundene Versammlung. Diese Ansicht galt als modern. Ein Unterschied zu Xenophons Reitlehre war allerdings, dass er das Verhalten von Pferden falsch deutete und Widerstände und Ungehorsam mit Strafe korrigierte.


Der Reitmeister Georg Engelhard Löhneysen (1552-1622) beeinflusste ebenfalls wesentlich die Reiterei. Auch er verfasste ein umfassendes Regelwerk für die Reitkunst. In dem Buch „Della Cavalleria“ widmete er sich umfangreich dem Thema der Gebisse. Auch er sah die Wichtigkeit der Aktivierung der Hinterhand und begann die Ausbildung des Pferdes erst mit dessen 5. Lebensjahr. Obwohl er ein Verfechter der Lehre Grisones war was den Umgang mit dem Pferd in Bezug auf Gewalt war, erkannte er aber auch die positive Wirkung des Lobes, wenngleich er dem Lob nur wenig Aufmerksamkeit schenkte.

Giovanni Pignatelli (ca. 1540-1600), ein Schüler Grisones allerdings, entschärfte dessen Gewaltlehre und aus seiner Lehre kam im 17. Jh. ein wesentlicher Reitmeister hervor. Antoine de Pluvinel (1555-1620).

Salomon de la Broue (ca. 1530-1610) kam ebenfalls aus der Lehre Pignatellis, wobei Salomon de la Broue eine besonders gewaltsame Ausbildung des Pferdes ausübte (Französische Gewaltschule) und hier nur nebenbei erwähnt werden sollte.

Pluvinel war sich dessen bewusst, dass das Pferd Freude an der Arbeit haben muss um zu Anmut und Vollendung zu gelangen. Für ihn war Lob sehr wichtig und er gilt als der Erfinder der Pilaren. Die Lektionen der hohen Schule sah er als natürliche Bewegungsform des Pferdes an.

Zeitgleich entwickelte William Cawendish, König von Newcastle in England eine weitere Reitlehre. Er schuf die Schule des Herzogs. Als Vorläufer zum Schulterherein brachte er das „Kopf in die Volte“ hervor. Er arbeitete mit einer deutlichen Halsstellung, was eine Ähnlichkeit mit der heutigen Rollkur darstellt. Ebenfalls als seine Erfindung gilt die der Schlaufzügels und der Kappzaumes. Er war jedoch ein Gegner von Pluvinels Pilarenarbeit.

1733 entstand das Werk „Ecole de Cavalerie“ von Francois Robichon Sieur de la Guérinièri (1688-1751). Dieses Werk hat bis heute Gültigkeit und dient als Grundlage für alle Meister nach ihm. Auch der Spanische Hofreitschule in Wien dient dieses Regelwerk als Basis. Er stützte sich auf wissenschaftliche, biomechanische Erkenntnisse. Das Werk gilt als erste zusammenhängende und systematische Reitlehre. Hauptaugenmerk wurde darauf gelegt, das Pferd ruhig, wendig und gehorsam und vor allem für den Reiter angenehm zu sitzen zu machen. Die Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Gehorsam und Versammlung standen an oberster Stelle. Dies entspricht auch heute weitgehend der Skala der Ausbildung. Er erwähnte erstmals detailliert Piaffe, Passage, den Galoppwechsel und den Kontergalopp.

Das Revolutionszeitalter im 19. Jh. brachte dann das Ende der adeligen Reitakademien. Durch den Rückzug der Fürsten aus dem Schlachtfeld und dem Einsatz der Massenkavallerie, waren hochausgebildete Pferde des adeligen Einzelkämpfers nicht mehr gefragt. Von nun an mussten in kürzester Zeit feldtaugliche Rekruten und schnelle Kavalleriepferde ausgebildet werden. Hier standen ausschließlich das Überleben und die Kontrolle des Pferdes in jeglichem Gelände und bei hohem Tempo im Vordergrund. Der künstlerische Aspekt trat in den Hintergrund. In dieser Zeit kam es auch zur vermehrten Einführung des englischen Vollblutes in die Pferdezucht und somit weg vom Iberer als Idealtyp und hin zum schnelleren Rechteckpferd. Einige weitere bedeutende Reitmeister entstammen allerdings aus dieser Zeit.

Francois Baucher (1776-1873) mit seiner „Methode d´equitation“ (1842) und der Deutsche E.F. Seidler mit „Dressur des Pferdes“ (1860). Seidler war der erste, der den Begriff Gymnastik in seiner Reitlehre benutzte. Er führte unter anderem das Leichttraben und den entspannten Balancesitz ein, war für eine solide Grundausbildung des Pferdes und schrieb vor, das junge Pferd solle 2x in der Woche im Gelände gearbeitet werden. Francois Baucher entwickelte Lektionen wie Rückwärtstraben, Rückwärtsgalopp, Galopp auf drei Beinen u.s.w. Für ihn waren z.B. Abkauübungen an der Hand und Abbiegeübungen im Halten von großer Bedeutung um das Gleichgewicht des Pferdes zu schulen und damit eine bessere Beherrschbarkeit des Pferdes aus dem Sattel aus zu erreichen. Weiters entdeckte er das Genick und Kiefergelenk als Schlüssel zur Hinterhand. Ihm war klar, dass nur ein zufrieden abkauendes Pferd in der Lage sei, das Genick zu entspannen und herzugeben. Ein Pferd sollte sämtliche Spannungen abgelegt haben, bevor es geritten wird um so Widerstände zu vermeiden.

James Fillis (1834-1913). Er war ein Gegner Bauchers aufgrund der statischen Bearbeitung des Pferdes und weitete dessen Reitkunst um den notwendigen Schwung aus. Zusätzlich erweiterte er seine Reitlehre um das Geländereiten und Springen.

Als einer der letzten wichtigen großen Meister des 19. Jh. sei Gustav Steinbrecht (1808-1885) zu nennen. Sein Werk „Gymnasium des Pferdes“, welches erst nach seinem Tod 1986 veröffentlicht wurde, gilt als der Klassiker der modernen Dressurreiterei.

Im 20. Jh. propagierte der Italienische Kavallerieoffizier Frederico Caprilli (1868-1907) das Eingehen in die Bewegung des Springpferdes mit kurzen Steigbügeln, was als Beginn des leichten Sitzes anzusehen ist. 1912 wurde dann die Kavallerie-Reitvorschrift zur H. DV. 12 (Heeresdienstvorschrift 1912) von v. Heydebreck, Reditz, Bürker und Lauffer ausgeweitet. Berücksichtigt wurden hierbei die deutsche Dressurarbeit und die italienische Springarbeit. Die H. DV. 12 hat zur Aufgabe, die Ausbildung von Remonten in Hinblick auf die lange Gesunderhaltung des Pferdes als Reitpferd sicherzustellen. Heydebreck legte weiters die späteren Richtlinien für Reiten und Fahren fest. Zu diesen zählt unter anderem die Skala der Ausbildung.
Die Tendenz ging dann allmählich ab ca. 1936 nicht mehr dahin, ein Pferd über Jahre hinweg zu gymnastizieren und zur Vollendung in seinem Rahmen zu führen, sondern man übte jetzt Lektionen um zu gewinnen. Man spricht hier auch von Reitsport und nicht mehr von Reitkunst. Dies erkannten allerdings einige Reiter frühzeitig und gelten nun heute als Hüter der Klassischen Reitkunst.
 


 
 „Klassische Reitkunst entsteht nur dort,
wo der Mensch im Pferd ein ebenbürtiges Geschöpf sieht"


(v. Löhneysen, 1609)